Prof. Dr. Wolfgang Spohn

PS: Logisch-Semantische Propädeutik

Mo, 10:00 - 11:30 & Di, 10:00 - 11:30 in A702

Diese Veranstaltung wird jeweils nur im Wintersemester angeboten.

Pflichtveranstaltung für alle BA-Hauptfach-Studierenden im 1. Semester.


Diese 4-stündige Lehrveranstaltung ist für alle Studierenden im BA-Philosophie und im BA Edu Philosophie/Ethik verpflichtend. Sie dient als Einführung in die Logik, die Argumentationstheorie und die Sprachphilosophie. Dabei geht es um die Vorstellung und Einübung verschiedener Begriffe und formaler und informeller Methoden – darunter insbesondere die Aussagenlogik –, die als methodologisches Rüstzeug der Philosophie unverzichtbar sind.
Philosophie behandelt bekanntlich (sehr) abstrakte Fragen auf begrifflich-argumentative Weise und ist daher zum großen Teil Argumentrekonstruktion, ‑analyse und ‑bewertung. Die Propädeutik soll dafür Grundlagen schaffen und bezeichnet also das, was man können sollte, bevor man richtig anfängt. Die Veranstaltung wird von wöchentlichen Übungsblättern begleitet, die in Tutorien besprochen werden. Die selbständige Bearbeitung dieser Übungsblätter und die regelmäßige Teilnahme an einem Tutorium sind im Hinblick auf die Entwicklung der besagten Fähigkeiten sowie das Bestehen der Abschlussklausur dringend zu empfehlen.

HS: Projektivismus

Mo, 15:15 - 16:45 in F423

Projektivismus ist die Lehre, dass sich verschiedene Merkmale der Realität nur als Projektion von Merkmalen unseres menschlichen Geistes verstehen lassen. Der Idealismus ist offensichtlich verwandt. Hume gilt als paradigmatischer Projektivist. Kants transzendentaler Idealismus lässt sich auch darunter subsumieren. Die Position ist offensichtlich attraktiv und offensichtlich problematisch. Die Probleme fangen schon damit an, ob ‚Projektivismus‘ überhaupt eine glückliche Bezeichnung ist.
Ersichtlich gewinnt die Position Substanz erst dadurch, dass man sagt, um welche Merkmale es denn gehen und wie man die vorgebliche Projektion genau verstehen soll. Hume wird dieser Projektivismus hinsichtlich der modalen und der moralischen Beschaffenheit der Welt unterstellt. Ich will mich im Seminar nur an die modalen Eigenschaften halten. Diese durchziehen unser Weltbild aber von Grund auf und fangen schon damit an, dass die Welt offenbar eine Welt voller Gegenstände ist.
In dem Aufsatz „How the Modalities Come into the World“, Erkenntnis 2017, DOI 10.1007/ s10670-016-9874-y, habe ich mein philosophisches Herzblut dargelegt, eine umfassendere projektivistische Agenda, als ich sie aus der zeitgenössischen Literatur kenne. Ich habe das bisher nie in der Lehre erörtert. Nun will ich das wenigstens einmal tun, bevor ich in den Ruhestand gehe. Ziel dieses Seminars ist, diesen Aufsatz zu verstehen. Das schafft man nicht, wenn man nur ihn selbst studiert. Man muss seine reichen Bezüge alle mitstudieren. Damit ist ein Semester gut gefüllt. Wir wollen uns dafür genügend Zeit nehmen. Wenn nötig, wird die Veranstaltung im nächsten Semester fortgesetzt.

PD Dr. Tobias Henschen

PS: Kants politische Philosophie

Do, 11:45 bis 13:5 in C426

Im Zentrum der politischen Philosophie Kants steht der Begriff des Rechts. Das Recht entspringt Kant zufolge der praktischen Vernunft und ist eine durch diese geforderte Ordnung der Beziehungen der Menschen zueinander: eine Ordnung, in welcher der Wille des Menschen mit dem anderer derart in Einklang gebracht ist, dass seine Freiheit mit der anderer vereinbar ist. Diese Ordnung sei zwar nicht das Ergebnis eines historischen Vertrags. Sie sei aber gewissermaßen das Ergebnis eines allgemeinen Willensentschlusses. Sie sei ferner ein Ideal, das alle Rechtsverhältnisse zwischen Personen und Völkern (Staatsverfassungen, Gesetze und Verträge) regelt. Wäre dieses Ideal jemals erreicht, herrschte „ewiger Friede“.
Im Seminar sollen die Texte gelesen und diskutiert werden, in denen Kant seine politische Philosophie entwickelt: Abschnitte aus verschiedenen Hauptwerken wie der Metaphysik der Sitten, der Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft und der Kritik der Urteilskraft und kürzere Arbeiten wie Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht, Beantwortung der Frage: was ist Aufklärung?, Über den Gemeinspruch: das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis und Zum ewigen Frieden. Dabei sollen auch eher schwierige Ansichten, die Kant vertreten hat, zur Sprache kommen: seine Ablehnung eines aktiven Widerstandsrechts, seine Verteidigung der Todesstrafe und der Vorrangstellung des Mannes etc. Zur Teilnahme am Seminar können auch Bachelor-Studierende anderer Fachbereiche zugelassen werden. Über eine Zulassung entscheidet im Einzelfall der Dozent.

HS: Heidegger Sein und Zeit

Di, 17:00 - 18:30 in Z1003

In Sein und Zeit unterscheidet Heidegger drei Arten des Seins des Seienden: das Sein des Daseins (Existenz), das Sein von Zuhandenem (Zuhandenheit) und das Sein von Vorhandenem (Vorhandenheit). Existenz ist das Sein von Seiendem, das wir je selbst sind: das Erschließen und Haben eines Spielraums existenzieller Möglichkeiten. Zuhandenheit ist das Sein eines Seienden, mit dem das Dasein umsichtig umgeht. Und Vorhandenheit ist das Sein eines Seienden, das Gegenstand eines Gedankens des Daseins ist. Das Ziel von Sein und Zeit ist die Gewinnung eines einheitlichen Begriffs von Sein. Heidegger glaubt diesen Begriff dadurch zu gewinnen, dass er zunächst eine ontologische Abhängigkeit des Seins des Zu- und Vorhandenen vom Sein des Daseins feststellt und das Sein des Daseins dann auf Sein im Sinne von „Sorge“ zurückführt, dessen ontologischer Sinn, wie Heidegger sich ausdrückt, die Zeitlichkeit sei.
Im Seminar sollen zentrale Passagen aus Sein und Zeit gelesen und diskutiert werden. Dabei wird es unbedingt erforderlich sein, die typischen Idiome Heideggers in eine (zumindest für Philosophen) verständliche Sprache zu übersetzen.

HS: Werte in den Wissenschaften

Mi, 11:45 - 13:15 in D435

Das wissenschaftliche Ideal der Wertfreiheit besagt, dass die Akzeptanz oder Ablehnung wissenschaftlicher Hypothesen unabhängig von so genannten nicht-epistemischen Werten erfolgen kann und sollte. Während epistemische Werte wie Einfachheit, Geltungsbereich, Vorhersagege­nauigkeit, Erklärungsvermögen und Kohärenz mit anderen akzeptierten Hypothesen häufig als zulässig betrachtet werden, wird von nicht-epistemische Werten wie Ideologien, Gruppeninteressen oder Werturteile meistens angenommen, dass sie wissenschaftliche Ergebnisse systematisch verfälschen und wissenschaftliche Objektivität gefährden. In der Wissenschaftsphilosophie wird das Ideal der Wertfreiheit aber seit mindestens 100 Jahren kontrovers diskutiert. So wurde z.B. argumentiert, dass die Akzeptanz wissenschaftlicher Hypothesen die Festlegung eines Signifikanzniveaus voraussetzt, und dass Signifikanzniveaus nicht unabhängig von nicht-epistemi­schen Werten festgelegt werden können. So wurde ferner zu zeigen versucht, dass die Ergebnisse klinischer Studien systematisch von den wirtschaftlichen Interessen ihrer Auftraggeber abhängig sind. Einige Philosophen sind sogar so weit gegangen zu sagen, dass die Politik in den Wissenschaften offensiv bestimmte Werte (wie z.B. Feminismus) durchsetzen sollte, wenn ohnehin klar sei, dass das Ideal der Wertfreiheit unerreichbar sei. Im Seminar sollen diese und ähnliche Argumente ausgehend von einer Lektüre älterer und neuerer Arbeiten zur Wertediskussion in den Wissenschaften diskutiert werden.