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Die strukturelle Attraktivität des Konsequentialismus - und wie man sich ihr entzieht

Wann
Donnerstag, 17. Mai 2018
18.15 – 19.45 Uhr

Wo
G 307

Veranstalter
Prof. Dr. Jacob Rosenthal

ReferentIn:
Prof. Dr. Thomas Schmidt, Humboldt-Universität zu Berlin

Diese Veranstaltung ist Teil der Veranstaltungsreihe „Philosophisches Kolloquium“.

"Eine Handlung ist dann moralisch richtig, wenn sie möglichst gute Folgen hat". So, oder so ähnlich, denken Konsequentialisten. Dabei verweisen sie regelmäßig darauf, in ihrer Kernthese einen besonders einfachen und transparenten ethischen Grundgedanken aufs Prinzip gebracht zu haben. Dies sei ein Vorzug ihrer Theorie.

In meinem Vortrag diskutiere ich, inwieweit strukturelle Gesichtspunkte wie der der Einfachheit eine Rolle bei der Beurteilung ethischer Theorien (und insbesondere des Konsequentialismus) spielen sollten. Ich zeige zunächst, dass sich Argumente zugunsten des Konsequentialismus, in denen der Verweis auf dessen strukturelle Attraktivität eine tragende Rolle spielt, überraschend stark machen lassen. Dass man eine bestimmte Form des Konsequentialismus akzeptieren sollte, ergibt sich logisch zwingend aus einer nicht unplausiblen inhaltlichen Voraussetzung (die auch Gegner des Konsequentialismus akzeptieren können) und einer zumindest prima facie einleuchtenden strukturellen These. Ungeachtet dessen aber können, wie ich im Anschluss ausführe, derartige Argumente nicht überzeugen. Hierfür ist letztlich der Umstand verantwortlich, dass strukturelle Überlegungen in argumentativen Kontexten, in denen es um die Beurteilung der inhaltlichen Akzeptabilität einer ethischen Theorie geht, generell – auch jenseits der Diskussion des Konsequentialismus – nichts verloren haben.